CD-Rezension / Review / Kritik

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Kentin Jivek No Age CD Cover

Kentin Jivek „No Age“

(Manic Depression Records/Altone)
Heutzutage genügt oftmals eine entsprechende Eingabe, und schon bieten einem Google und Co. praktische Lösungen für sämtliche Lebenslagen sowie für die Schließung von Wissenslücken an. Kentin Jivek aus Paris erweckt auf „No Age“ - seinem achten Vollzeit-Album - hingegen den Eindruck, als habe er soeben einsehen müssen, dass das Internet dann doch nicht dazu taugt, ihm eine Frage zu beantworten, die ihn immer wieder in Verzweiflung stürzt und anschließend aufbegehren lässt: „Wie lässt sich der Tod vermeiden?“ Und das nicht im Sinne eines Aufschubs. Also kanalisiert er diese gleichermaßen ernüchternde wie erschütternde Erkenntnis in kunstvoll gebrochene Threnodien, kleidet sie in ein sphärisches Amalgam aus dunkel-ambienten Soundscapes und ätherischer Folk-Psychedelia. Um sich als Troubadour in eigener Sache noch ein Weilchen der finalen Resignation zu entsagen, wobei er zugleich sämtlichen dies- und jenseitigen Geistern, die ihm durchs Gemüt schwirren, seine Stimme verleiht. Eine faszinierende Stimme, die klingt, als habe Kentin Jivek Autotune-Algorithmen von Brandon Perry und Michael Gira mit den Metastasierungen seines fröhlichen Wahnsinns versetzt. Mögen ihm noch viele Jahre und uns noch viele Platten von ihm beschieden sein.
Stephan Wolf

Rezension aus Sonic Seducer, Ausgabe 04/2017.
Thursday the 14th.
2017 Sonic Seducer Magazin

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