CD-Rezension / Review / Kritik

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Phillip Boa And The Voodooclub Bleach House

Phillip Boa & The Voodooclub
„Bleach House“
(Cargo Records)
Hach ja, das Alter. So der Stoßseufzer eines jeden jenseits der 40, der nach dem Treppensteigen schon einmal aus der Puste war oder mit Ohrensausen aus lauten Diskotheken geflüchtet ist. Und nun hat es auch Pia Lund erwischt: Die 2003 dem Voodooclub wieder beigetretene Sängerin verkündete letztes Jahr ihren endgültigen Ausstieg – aus Altersgründen. Gut, dass der Vorsitzende Boa sich davon nicht beirren lässt und auf seinem 18. Studioalbum dem Zahn der Zeit entgegenwirkt. Mit 13 und auf der Deluxe-Version sogar 16 oft ruppigen, energischen Songs, die wieder mehr mit Punkrock flirten als das meiste auf dem vorzüglichen 2012er Werk „Loyalty“. Im Gegensatz zum Klassiker „Kill Your Idols“ scheint „Kill The Future“ zu Beginn zwar mit dem Kommenden statt mit dem Vergangenen abzuschließen – sobald das Stück aber grob rumpelnd den Stinkefinger zeigt und „The One Who Howls At The Moon“ ebenso unsanft nachlegt, weiß man: Boa ist zwar sogar schon jenseits der 50, aber kein bisschen weise. Und trotzdem immer noch schlau genug, für Abwechslung zu sorgen, statt das Gaspedal ständig durchzutreten. Ein sanft angezerrter, die poppigen Glanztaten von The Cure rekapitulierender Seufzer wie „Are You The One From Heaven“ darf nämlich genausowenig fehlen wie der schmissige Dance-Drive von „Baby Please Go Home“ – hiermit können Phillip Boa & The Voodooclub trotz aller charmanten Rückwärtsgerichtetheit auch auf ansonsten aktuell beschallten Tanzflächen Eindruck machen. Aber wer nicht mehr der Jüngste ist, sollte besser nicht von Tanzflächen reden. Von „Bleach House“ allerdings schon.
Thomas Pilgrim

Rezension aus Sonic Seducer, Ausgabe 10/2014.


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