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fear factory genexus

Fear Factory
„Genexus”
(Nuclear Blast)
Mit dem 2012-Vorgänger „The Industrialist“ befriedigten die Industrial-Metal-Heroen – nicht zum ersten Mal – den gierigen Hunger ihrer zahllosen Fans nach einem würdigen Nachfolger ihres stilbildenden, ewig verehrten Meilensteins „Demanufacture”. Ähnliches gelingt übrigens Ministry seit einigen Jahren, die in ihrer Spätphase den Anhängern nun schon drei, vier amtliche Wiedergänger ihres ebenso genrebildenden Werks „Psalm 69“ (1992) darzubieten imstande sind. Doch solcherlei Selbstzitate, so gekonnt sie auch umgesetzt sein mögen, wirken fast inflationär – denn sie dezimieren den Stellenwert des einstmals so angebeteten Originals: wenn es derart oft und leichthändig reproduziert werden mag, kann es nicht so einzigartig sein wie ehemals angenommen. Diese Erkenntnis scheinen nun auch die Fear Factory-Kapitäne Dino Cazares und Burton C. Bell verinnerlicht zu haben. Ihr neues Werk nämlich greift zweifelsohne etliche Elemente ihrer klassischen 1995er-Phase auf, macht aber darüber hinaus deutlich, dass die Herren auch ein wenig vom Demanufacture-Pfad abzuweichen gewillt waren. Denn sie erschufen mehr Indie-Schmutz an einem Ende der FF-Palette („Soul Hacker“), ein wenig mehr authentische Gebrochenheit am pathetisch-balladesken Ende („Expiration Date“) und einen Titsch mehr Mut, andere Genres wie Glam-Rock zu besuchen („Regenerate“). Und schon zeichnet „Genexus“ ein ganz eigener Charakter aus. Dass der rote Faden einmal mehr eine engagierte SciFi-Story im Spannungsfeld Mensch/Maschine darstellt, führt, genauso wie die ultraschnellen, akkuraten Stakkato-Gitarrenriffs, genauso wie die ultraschnellen, akkuraten Double-Bassdrum-Gewitter, genauso wie der Wechsel von räudig-bösen Stimmen in der Strophe und hymnenartigen melodischen Gesängen in den Refrains direkt wieder zu „Demanufacture“ zurück. Ein Klon jedoch ist dieses Album nicht: die Eigenwilligkeit der Songs ist zu stark, zu neu, zu anders.
Kym Gnuch



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