CD-Rezension / Review / Kritik

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midge ure fragile

Midge Ure
„Fragile“
(Hypertension Music/Soulfood)
Viel hätte nicht gefehlt, und Midge Ure wäre aus dem Bewusstsein aller Hörer gefallen, die auch rund 30 Jahre später noch verfolgen, was ihre Lieblinge aus den Achtzigern so treiben. Das letzte Studioalbum erschien 2001, der Charthit „Breathe“ tendierte davor eher gegen seicht, und das Ultravox-Comeback „Brilliant“ legte zuletzt nahe, Ure habe seine Solokarriere an den Nagel gehängt. Weit gefehlt: Auch ohne Band geht es dem gebürtigen Schotten blendend, wie man an den zehn neuen Songs hören kann, für die er mannigfaltige Einflüsse aus seiner langen Musikerlaufbahn verarbeitet: „Fragile“ enthält genauso dem Titel angemessene, hymnische Pop-Balladen wie Rückgriffe auf mehr oder weniger wavige Elektronik und am Prog-Rock nippende Stücke. Dass Ure Ende der Siebziger sowohl bei den Punks von Rich Kids als auch bei den Hardrockern Thin Lizzy spielte, sei an dieser Stelle vernachlässigt, denn der jugendliche Ungestüm seiner frühen Jahre fehlt praktisch völlig. Nicht so ausladende instrumentale Fingerübungen wie „Wire And Wood“ oder „Bridge“, die einen reizvollen Kontrast zu den beweglicheren Songs bilden: Für die elektrifizierte Single „Become“ und das unterschwellig brodelnde „Dark, Dark Night“ schaute Moby vorbei, das 2010 zusammen mit Schiller entstandene „Let It Rise“ erfährt eine behutsame Neuinterpretation, und „Are We Connected“ zweifelt zu diskret scheppernden Rhythmen an modernen Kommunikationsmedien. An einem jedoch besteht kein Zweifel: Midge Ure ist noch lange nicht von gestern.
Thomas Pilgrim

Rezension aus Sonic Seducer, Ausgabe 07-08/2014.


Thursday the 19th.
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