CD-Rezension / Review / Kritik

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UNKLE The Road Pt 1 CD Cover

UNKLE „The Road Pt 1“

(Songs For The Def/Alive)
Ein Vierteljahrhundert UNKLE, erstes Album seit sieben Jahren – James Lavelle musste allmählich liefern, wie man so unschön sagt. Und zum Jubiläum sollte es schon etwas Besonderes sein, sodass der fünfte Longplayer als Auftakt eines großangelegten Zweiteilers fungiert, dessen Fortsetzung sich bereits in der Mache befindet. Dass UNKLE seinem Status als Trip- und Electro-Hop-Projekt längst entwachsen ist, bedarf keiner besonderen Erwähnung mehr – neu ist hingegen, dass Lavelle die zehn Songs plus fünf Interludes diesmal im Alleingang entworfen hat. Dennoch operiert auch „The Road Pt 1“ an der Schnittstelle von verbreakter Electronica, Swamp-Rockigem und opulent orchestriertem Downbeat, und die Liste der Gastvokalisten ist lang: Mark Lanegan, die britische Soul-Queen ESKA und Liela Moss von The Duke Spirit sind nur die bekanntesten. Das Titelstück und das als Klavieretüde anhebende „Sonata“ nehmen mit der Zeit Fahrt auf und münden in mehrschichtige Rhythmustracks und Gitarren-Explosionen, und stellenweise gönnt sich Lavelle auch einen Rückblick in die eigene Diskografie. „Farewell“ klingt eingangs ähnlich wund wie der Klassiker „Rabbit In Your Headlights“, „No Where To Run / Bandits“ geht mit schleifendem Bass-Groove als runderneuerte Version von „Hold My Hand“ durch – bis mit dem Folk-Glühwürmchen „Sick Lullaby“ alles vorübergehend zur Ruhe kommt. Hoffentlich nur das Luftholen vor einem ebenso großartigen zweiten Teil.
Thomas Pilgrim

Rezension aus Sonic Seducer, Ausgabe 09/2017.
Wednesday the 13th.
2017 Sonic Seducer Magazin

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