CD-Rezension / Review / Kritik

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prude the dark age of consent

Prude
„The Dark Age Of Consent”
(Metropolis/Soulfood)
Es passiert nicht nur älteren Anhängern der Independent-Szene, dass sie sich zuweilen desillusioniert fragen, was denn eigentlich aus dem ursprünglichen Punk-Gedanken dieser Szene geworden ist. Kirmeströten halten den Dancefloor seit mindestens einer Dekade im sterilen Würgegriff, alle möglichen Subgenres bemühen sich um Schubladenkonformität, damit sie von ihren Anhängern ja auch richtig eingeordnet werden, der Mainstream drängt in jede Nische der einstmals dunklen Szene. Muss man zurückreisen, um originalen Dreck, Punk, Revolte, das Ungestüme des ursprünglichen Sturm und Drangs wieder zu erleben? Das Quintett um Ex-Chemlab-Sänger Jared Louche lässt auf seinem Debütwerk genau diese Schrillheit und grenzenlose Experimentierfreude aufleben: So begegnet man auf dieser Scheibe einer Klangästhetik, die an Iggy Pop, The Stooges, New York Dolls, Revolting Cocks, 70er Jahre-Glam oder NIN erinnert – und an all deren Nachfolger, die zu einem gewissen Zeitpunkt der Rock-Historie ein Wagnis eingingen; und zu jenen zählt auch Marilyn Manson. Man lauscht subversiv wühlender Bedrohlichkeit, sägenden Gitarren, abgefeimten Bassläufen, wilden Vocal-Images, freudigem Krach. Punk, Industrial, Post Punk, wilder Glam-Rock: all dies wird verquickt zu einer unangestaubt wirkenden, eigenwilligen Melange. Cool.
Kym Gnuch

Rezension aus Sonic Seducer, Ausgabe 10/2014.


Friday the 6th.
2017 Sonic Seducer Magazin

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