CD-Rezension / Review / Kritik

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morthound mortology 1990 1996

Morthound
„Mortology“ (5CD)
(Raubbau/Ant-Zen)
Angesichts der Massen an Reissues, die monatlich auf den Markt geworfen werden, verwundert es, dass rund zwei Dekaden vergehen mussten, bis der gesammelte Morthound Backkatalog (nebst Bonusmaterial) wieder zugänglich gemacht wurde. Auch wenn Benny Nilsen inzwischen mit seinen Field Recordings für Touch längst zu den etablierten Namen der akademischen Klangkunst gehört, gelten seine Alben für das Cold Meat Industry Label weiterhin als Meilensteine des Dark Ambients. Den Grundstock legte das „Death Time“ Tape, klassischer und fragmentierter Todessound, eingefangen mit simplen Mitteln vom damals erst 15-jährigen Nilsen. Höhepunkt im Werk bleibt aber auch in der Retrospektive das Album „Spindrift“ Album mit seinen gefakten Ethnosounds, cineastischen Atmos und seinem psychedelischen Abstecher. Das seinerzeit vielerorts auf Unverständnis treffende Album „The Goddess Who Could Make The Ugly World Beautiful“ erweist sich im Nachhinein als Brückenschlag in Richtung Post-Rock und Outsider Metal. Ergänzt werden die Originalalben um zeitlich passend zugeordnete Compilationbeiträge, die sich nahtlos einfügen. Für Komplettisten hält die fünfte CD („Unleashed 1990-1996“) unveröffentlichtes Material bereit, in dem sich Nilsen, vermutlich letztmalig in seiner künstlerischen Laufbahn, von seiner abgrundtief schwarzen Seite zeigt. Pflichtkauf – nicht nur - für Chronisten.
Sascha Bertoncin

Rezension aus Sonic Seducer, Ausgabe 07-08/2014.

Tuesday the 22nd.
2017 Sonic Seducer Magazin

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