CD-Rezension / Review / Kritik

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never sol under quiet

Never Sol
„Under Quiet“
(Denovali/Cargo)
Auf ihrem Debüt versteht es Sára Vondrášková alias Never Sol aus Prag, den Hörer in den Bann zu ziehen. Zunächst einmal. Spätestens mit dem eingängigen „Eyes Skin Moves“ gelingt ihr der Brückenschlag zwischen Aufmerksamkeit und Hingabe. Aber noch glückt es der ausgebildeten Musikerin nicht, diese Prädikate auf Dauer zu halten. Das vielfältige Stilgemisch aus jazzigen Harmonien, voluminösen Orchesterarrangements und stimmlicher Fokussierung verläuft sich irgendwann, mit jedem Hördurchlauf mal früher, mal später, in einer nur schwer zu fassenden Beliebigkeit. Jeder Track verfügt über seinen speziellen Reiz, doch im Ganzen genossen verliert sich der rote Faden. Das vermutlich detailliert Durchdachte bietet nicht genügend Stringenz, um als (über-)langes Album zu funktionieren. Weniger wäre hier wahrscheinlich mehr gewesen. Aber vielleicht benötigt „Under Quiet“ vor allem eins: Mehr Zeit der Auseinandersetzung mit einer jungen Künstlerin, die sich des Umstands wohl bewusst ist, dass sie erst am Anfang ihrer Genese steht. Und für den Anfang ist ihr Album durchaus gelungen, auch wenn sie sich etwas zu viel auf einmal aufgebürdet hat. Immerhin fällt es schwer, Vergleiche herbeizuzitieren. Ist das nicht ein brauchbares Kompliment? Eigene Urteilsbildung ist angesichts der kaum zu fassenden Stilfülle von „Under Quiet“ Pflicht.
Stephan Wolf

Rezension aus Sonic Seducer, Ausgabe 06/2014.

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