CD-Rezension / Review / Kritik

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neuropa resistor

Neuropa
„Resistor“
(Eigenvertrieb/neuropaspace.bandcamp.com)
Ihr siebtes Album „Resistor“ bringen die Australier auf eigene Faust heraus. Wahrscheinlich beabsichtigt, denn qualitativ hätte es ohne Probleme für einen Plattenvertrag reichen müssen. Neuropa machen elektronische Popmusik, die hohen Ansprüchen genügt. Ihre letzten beiden Werke „The Blitz“ und „Plastique People“ überzeugten mich bereits. Der vordergründig naiv anmutende Klang ihrer Musik, gepaart mit seltsam sehnsuchtsvoll wirkenden, zeit- und sozialkritischen Texten, gipfelte damals in Perlen wie „Das Beat Industrialle“, „Plastique People“ und „Secondary You“. Neuropa haben sich diese Qualitäten nicht nur bewahrt („If I Want“), sondern ihr Repertoire um einige Facetten erweitert. Vielseitiger als früher klingt manches: Die für ihre Verhältnisse durchaus kernigen „Deutschevision“ und „Midnight Sun“ zum Beispiel. Oder Songs wie „Only Human“ und „One Foot In The Grave“, die rockige Ansätze erkennen lassen. Einer Band zu attestieren, sie klänge auf einmal erwachsener als zuvor, ist zugegebenermaßen eine relativ abgedroschene rhetorische Wendung, doch an dieser Stelle trifft sie ausnahmsweise zu: Kinderschuhe egal welcher Größe sind Neuropa inzwischen zu klein. Mit „Resistor“ beweisen sie nicht mehr nur klassische Synthiepop-Qualitäten und ein veritables Gespür für flockige Melodien, sondern auch respektables Rhythmusgefühl. Neuropa sind noch nicht am Ziel, aber auf einem guten Weg.
Kai Reinbold

Rezension aus Sonic Seducer, Ausgabe 06/2014.

Thursday the 21st.
2017 Sonic Seducer Magazin

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