CD-Rezension / Review / Kritik

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OstFront Adrenalin CD Cover

Ost+Front „Adrenalin”

(Out Of Line/Rough Trade)
Die Jahre fließen dahin, manches ändert sich, anderes bleibt. Dass mit Ost+Front einer besten Rammstein-Nachfolger aller Zeiten die NDH-Szenerie betreten hat, dürfte spätestens seit dem 2016er Album „Ultra“ von etlichen Szenebeobachtern erkannt worden sein. Dass dieser dreist-genialische Klon die Glorreichen Sechse spätestens mit „Adrenalin“ so sehr in die Defensive drängen wird, dass diese deswegen über Auflösung ihrer berühmten Band nachdenken mögen, ist zwar bislang lediglich Ausgeburt einer blühenden Fantasie – doch Obacht! Kleine Warnung an Till, Flake und Co: Hört euch lieber diese Platte an, bevor ihr euch ein weiteres Mal ans Komponieren macht. Sie könnte euch antreiben, die Messlatte höher zu legen – was ja nie schaden kann. Denn in allen fürs Genre NDH relevanten Disziplinen brilliert „Adrenalin“ und schießt ein Feuerwerk ab bezüglich Versiertheit, klanglicher Voluminösität, Dynamik und Ohrwurmqualitäten. Dicke Riffs knüppeln, die Gesangsimages variieren, die Keyboards schillern, Arrangements und Produktion spielen in der Champions League. Die Texte sind bissig und zuweilen verdelli heikel – wie’s ja sein muss in dieser Spielart von Musik. Ein dominantes Element ist jenes, was man folkloristisch nennen könnte: Allenthalben ertönen Originalmelodien ziemlich unglaublicher Eingängigkeit, als handelte es sich um zeitloses Liedgut, um volksmusikalische Traditionals, die augenzwinkernd in das harte Gewand dieses Genres überführt worden sind. Und das funktioniert überraschend gut. Mal seh’n, wie diese Karriere weitergeht!
Kym Gnuch

Rezension aus Sonic Seducer, Ausgabe 03/2018.
Wednesday the 21st.
2017 Sonic Seducer Magazin

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