CD-Rezension / Review / Kritik

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Out Out Swan Dive CD Cover

Out Out „Swan / Dive?”

(Artoffact/Cargo)
Einige Leute behaupten, der Vorteil am Resultat der US-Wahlen läge darin, dass man sich nun auf vier Jahre verdammt wütende amerikanische Musik freuen darf. Den Anfang macht der seit 1989 aktive Mark Alan Miller aus Massachusetts mit seiner Einmannband Out Out. Und es passt wie die Faust aufs Ohr, wenn der Opener „Shut Up!“ direkt gewaltig loslegt und Miller zu von Pankows „Me And My Ding Dong“ stibitztem Beat und donnernder Heavy Duty-EBM ‚Wake up, America, think for yourself!’ fordert. Letzteres bleibt oberstes Gebot auf einem ebenso umsichtigen wie zupackenden Electro-Album, das seine stilistischen Pappenheimer kennt und bei der Wahl der Waffen stets Geschick und eine glückliche Hand beweist. „Look Up, Hannah!“ birst vor krachenden Holzfäller-Gitarren, „…And Everyone Wants To Be With You“ erweitert den Sound um glühende TripHop-Elemente, „Falsified” liegt als brutale Speed-Eruption genau richtig, bis das düster schwelende Midtempo der Talking Heads-Interpretation „The Overload“ einen beunruhigenden Schlusspunkt setzt. Und es verwundert nicht, dass Tracks wie „I Think You Know“ (seinerseits eine Coverversion von Todd Rundgren) oder „S.Y.O.“ mit Reverb- und HipHop-Elementen spielen – schließlich erschienen die ersten Out Out-Platten Anfang der Neunziger auf Axis Records, einem Label aus dem Umfeld der Industrial-Dub-Pioniere Tackhead. Das Fragezeichen im Titel lassen wir also mal unberücksichtigt: Tolles Comeback nach achtjähriger Albumpause.
Thomas Pilgrim

Rezension aus Sonic Seducer, Ausgabe 12/2016.
Friday the 23rd.
2017 Sonic Seducer Magazin

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