CD-Rezension / Review / Kritik

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Moth 20 Songs CD Cover

Moth „20 Songs“

(Wave Records)
Da kann man ja die Motten kriegen: Moth aus Kopenhagen bestanden von 2012 bis 2016, produzierten aber nie ein Album. Das schmale Werk des Quartetts verteilte sich stattdessen auf EPs, Singles und Split-Releases. Doch zum Glück gibt es das umtriebige brasilianische Label Wave Records, das nun nahezu das gesamte Schaffen von Moth auf dieser Compilation zusammengefasst und mit „Sage And Amber“ auch einen bisher unveröffentlichten Track ausgegraben hat – 74 Minuten schattiger Cold Wave und strenger Post-Punk, in dem sich analoge Maschinen-Rhythmen, rohes Bass-Brummeln und Patrick Ringsborgs heulender Klagegesang auf engstem Raum aneinander reiben. Vor allem in den durch Musikvideos zu bescheidenen Publikumsehren gekommenen Stücken „I Dream In Black And White“ und „Taste The Remains“ spielen auch klirrende Gitarren eine Hauptrolle, „In The Headlights“ oder „Young Future“ favorisieren hingegen eher flockigen Dream-Pop, was „20 Songs“ oft eine monochrome Verträumtheit verleiht. Und zeigen Moth bei „Measured Time“ und „Frozen Tears“ die Zähne, sind sie einer manischen Version des Clan Of Xymox-Klassikers „Subsequent Pleasures“ oder dem kalten Geratter von Joy Divisions „She’s Lost Control“ plötzlich ganz nahe. Hätten sich Labels wie Unknown Pleasures oder Manic Depression der Dänen beizeiten angenommen – wer weiß, was aus ihnen noch hätte werden können. So bleiben Moth immerhin eine erfreuliche und hiermit zudem bestens dokumentierte Randerscheinung des Genres.
Thomas Pilgrim

Rezension aus Sonic Seducer, Ausgabe 12/2017.
Monday the 21st.
2017 Sonic Seducer Magazin

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