CD-Rezension / Review / Kritik

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the notwist close to the glass

The Notwist
„Close To The Glass“
(City Slang/Universal)
Egal ob gut oder schlecht, ein neues Album von The Notwist ist immer ein Ereignis. Allein schon wegen des Seltenheitswerts. Nach „Neon Golden“ und „The Devil, You + Me“ ist „Close To The Glass“ gerade mal der dritte Longplayer der Weilheimer Indie-Institution in diesem Jahrtausend. Vielleicht liegt die lange Wartezeit - das letzte Album hat auch schon wieder sechs Jahre auf dem Buckel - daran, dass die Acher-Brüder und Martin Gretschmann mit jedem Longplayer die Latte ein ordentliches Stück höher legen. So auch mit „Close To The Glass“, das zu einem schillernden Mosaik aus Songs unterschiedlichster Färbung ausgewachsen ist. Mit zwei krachigen, experimentellen Elektronik-Tracks beginnt das achte Album von The Notwist, die auf dem hittigen „Kong“ von luftig-leichten, an The Cures „Friday I’m In Love“ erinnernden Gitarren abgelöst werden. Mit „Into Another Tune“ folgt ein weiterer elektronischer Song, aus dem Portisheads „The Rip“ grüßt, bevor „Casino“ (mit dem herrlich beknackt-genialen Refrain „One room for both of us is not available“) mit reduzierten Arrangements begeistert, die um Markus Achers Stimme und Gitarre kreisen. So geht es über insgesamt zwölf Stücke munter weiter. Doch statt an der schieren Masse unterschiedlichster Stile grandios zu scheitern, gelingt The Notwist das Kunststück, sie harmonisch zu verschmelzen, was nicht zuletzt auf die dichte Produktion zurückzuführen ist. „Close To The Glass“ ist jedenfalls ein kongeniales Album, das keine Vergleiche mit The Notwists Über-Album „Neon Golden“ scheuen muss. Auf solch eine Platte kann man auch einmal über ein halbes Jahrzehnt warten.
Torsten Schäfer

Rezension aus Sonic Seducer, Ausgabe 03/2014.


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