CD-Rezension / Review / Kritik

Drucken
nothing guilty of everything

Nothing
„Guilty Of Everything“
(Relapse Records/Rough Trade)
Man kann es auch übertreiben: Domenic Palermo, Frontmann des Quartetts Nothing aus Philadelphia, ist mitnichten an allem schuld – auch wenn er Anfang der 2000er zwei Jahre lang aufgrund einer Messerstecherei im Gefängnis saß, was seiner damaligen Hardcore-Band Horror Show den Garaus machte. Rund zehn Jahre später ist Palermo entsprechend geläutert, und das spiegelt sich auch auf dem Debüt von Nothing wider, mit denen der Amerikaner seit 2011 sphärischen bis zupackenden Shoegaze-Rock spielt, wobei seine Punk-Wurzeln nur noch in vereinzelten Uptempo-Krachern wie „Bent Nail“ oder „Get Well“ zutage treten. Stattdessen schüttet „Guilty Of Everything“ zuweilen monumentale Soundwälle aus hochfahrenden Gitarren auf und streift in verschwenderischen Augenblicken wie dem tosenden Outro von „B&E“ auch den Post-Rock von Bands wie And So I Watch You From Afar oder Sleepmakeswaves. Und so operiert dieses Album an einer delikaten Schnittstelle – wenn der entrückt über allem schwebende Hauchgesang dazukommt (also praktisch ständig), greift der Hörer vegetativ zum „M B V“-Album von My Bloody Valentine und gedenkt dabei dem britischen Wunderkind Michael Feerick und seiner auf Eis liegenden Band Amusement Parks On Fire. Und das kann eigentlich nur bedeuten, dass Nothing eine der rauschhaftesten Indie Rock-Platten des noch jungen Jahres aufgenommen haben.
Thomas Pilgrim

Rezension aus Sonic Seducer, Ausgabe 03/2014.


Wednesday the 23rd.
2017 Sonic Seducer Magazin

©