CD-Rezension / Review / Kritik

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The National Sleep Well Beast CD Cover

The National „Sleep Well Beast”

(4AD/Beggarsgroup/Indigo)
Nächster Tagesordnungspunkt im Jahr der mit Spannung erwarteten Indie-Neuerscheinungen: Nach Arcade Fire und LCD Soundsystem machen auch The National wieder von sich reden. Untätig waren die Mitglieder in der Zwischenzeit nicht: Die Rhythmusgruppe um die Devendorf-Brüder betrieb die Projekte LNZNDRF und Pfarmers, Sänger Matt Berninger veröffentlichte mit Menomena-Mann Brent Knopf die The National nicht unähnliche El Vy-Platte „Return To The Moon“, und Gitarrist Bryce Dessner ist als umtriebiger Komponist und Arrangeur ohnehin die meiste Zeit überall und nirgends. Der einzigartigen Mischung aus düsterem Indie-Rock und schummrigem Post-Punk schadet das auch auf Album Nummer sieben keineswegs. Dass The National es ihren Hörern längst nicht immer einfach machen, belegt die komplexe Vorabsingle „The System Only Dreams In Total Darkness“, in der die erlösende Gitarrensense fast bis zur Hälfte auf sich warten lässt – „I’ll Still Destroy You“ führt sich hingegen als legitimer Nachfolger des Hits „Bloodbuzz Ohio“ ein, „Day I Die“ und „Turtleneck“ geben die ruppigsten Rocker seit „Abel“ ab, mit dem der Fünfer 2005 hinterrücks sein „Alligator“-Album aufbohrte. Berningers Bariton thront über allen Stücken gleich souverän – und macht aus „Sleep Well Beast“ samt aller Grauschattierungen und lauernder Untiefen ein melancholiegetränktes Herbsthighlight.
Thomas Pilgrim

Rezension aus Sonic Seducer, Ausgabe 10/2017.
Tuesday the 10th.
2017 Sonic Seducer Magazin

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