CD-Rezension / Review / Kritik

Drucken
Noêta Beyond Life And Death CD Cover

Noêta „Beyond Life And Death“

(Prophecy Productions/Soulfood)
Auf seinem Debütalbum gelingt dem schwedischen Duo in bis dato einzigartiger Weise die Vermittlung jener Sentimente, die sich einzustellen pflegen, wenn existential-philosophische sowie epistemologische Erwägungen auf die bare Realitätsvermutung einer an sich sinnlosen (und somit vollkommenen) Existenz treffen. Es dürfte schwerfallen, diese fälschlicherweise elitär anmutende Tragweite zu ignorieren. Selbst wenn Noêta in ihren weitläufigsten Momenten an jene Extrem-Romantiker erinnern, die einst auf dem Projekt-Label eine künstlerische Heimat fanden (Alio Die, Soul Whirling Somewhere, Black Tape For A Blue Girl etc.). Aus einer harschen Ökonomie der Klänge (die der Reduktion auf das an äußerster Peripherie Kenntliche Tribut zu zollen scheint), treten präzise gestreute Stimuli hervor, die keinerlei Ausflüchte zulassen. Sie zwingen den (unabdingbar aufmerksamen) Zuhörer in die Zwickmühlen seiner eigenen Inkompetenz, die ihm zwischen gefährlichem Halbwissen, trostlosen Vorahnungen und entfesselten Urängsten kaum eine Wahl lässt. So erweist sich die karge Schönheit der Songs als Fliegenpapier: Einmal touchiert, bleiben zunächst nur verzweifelte Befreiungsversuche. Bis auch diese stagnieren. Und nur noch eine undichte Stelle des Geistes auf unbestimmte Zeit Lebenszeichen von sich gibt. Nicht ausgeschlossen, dass hierin auch jener Zustand beschrieben wird, den Noêta meinen, wenn ihr Track „Beyond Death“ andeutet, wie Dead Can Dance einst hätten klingen können, wenn sie den Zweck ihres Schaffens dem bitteren Ernst zugeschlagen hätten.
Stephan Wolf

Rezension aus Sonic Seducer, Ausgabe 03/2017.
Friday the 22nd.
2017 Sonic Seducer Magazin

©