CD-Rezension / Review / Kritik

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Mutter Der Traum vom Anderssein CD Cover

Mutter „Der Traum vom Anderssein“

(Die Eigene Gesellschaft/Hanseplatte)
Irgendwie will es partout nicht verwundern, dass auf die luftig säuselnden Alltagsbetrachtungen des 14-er Albums „Text und Musik“ nun wieder ein fordernd lärmiger Brocken aus dem Mutterschoß gefallen ist. Rund um das semi-legendäre Folk-Album „Hauptsache Musik“ geschah vor rund 23 Jahren bereits ähnliches. Doch zurück zum Tagesgeschäft: Nach und nach windellos die Steinwolle im Wochenbett durchtränkend, wird „Der Traum vom Anderssein“ perhorresziert. Doch Max Müller wäre nicht der beständigste Pendler zwischen Entsetzen und Entertainment deutscher Nation, würde er nicht auch auf Vollwerk Numero zehn ab und an mal den Anschein erwecken, die ein oder andere Fünf gerade belassen zu wollen. „So bist du“ lautet die diesmalige Versöhnungstheorie, doch erfährt sie gegenüber den schroff abgepackten Fakten aus No Wave-Noise, althergebrachtem Schweiß und gefurzten Tränen einen bestenfalls marginalen Stand. Wie üblich scheinbar alle Zeit der Welt auskostend, ist es mal wieder an den bekanntermaßen ur-mütterlichen Längen („Menschen werden alt und dann sterben sie“, „Kravmann“), dem Revisionismus eines richtigen Lebens im falschen eine Bühne zu bereiten, die nur darauf wartet, vom Zahn der Zeit erneut zerrieben zu werden. Auf alten Prothesen lernt man kauen. Der Traum geht weiter.
Stephan Wolf

Rezension aus Sonic Seducer, Ausgabe 03/2017.
Thursday the 24th.
2017 Sonic Seducer Magazin

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