CD-Rezension / Review / Kritik

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My Silent Wake Invitation To Imperfection CD Cover

My Silent Wake „Invitation To Imperfection“

(Opa Loka/STF)
Extrem ambitioniert und aufwändig, was die ehemaligen (?) Doom Death-Heroen aus dem EU-abtrünnigen Königreich hier auffahren. Allerdings ohne die Zuhilfenahme von lauten Pauken und Trompeten. Und erst recht nicht von fetten E-Gitarren oder sonstigem Metal-Equipment. Sondern mit - unter anderem - Piano, Cello, Flöte, Mandoline, Harmonium, Karimba, Didgeridoo, nativer Perkussion, dunstigen Keyboards sowie Field Recordings frisch aus dem Wald. Aber alles immer schön nacheinander. Beziehungsweise gemeinsam gemäß einer organisch organisierten Aufgabenverteilung. Gejazzt wird hier jedenfalls nicht. Was oberflächlich vernommen - aufgrund der überwiegenden Abwesenheit von Songstrukturen - als langwierig zäher oder sogar ins Statische abdriftender Neo-Folk mit angemaßtem Kunstanspruch fehlinterpretiert werden könnte, erweist sich bei genauerer Auseinandersetzung (zu der dringend angeraten sei) als ein groß gedachter Entwurf, wie Martial Industrial hätte klingen können, wenn Dead Can Dance einst auf das Roster von Cold Meat Industry gedrängt wären. Zugegeben, der ewige Vergleich mit DCD nervt. Doch bietet er immerhin einen verlässlichen Hinweis auf das Qualitätsniveau von Alben wie „Invitation To Imperfection“ (was für ein Understatement!). Ambient-Folk erster Güte.
Stephan Wolf

Rezension aus Sonic Seducer, Ausgabe 04/2017.
Monday the 21st.
2017 Sonic Seducer Magazin

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