CD-Rezension / Review / Kritik

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Nobody Knows Folkslieder CD Cover

Nobody Knows „Folkslieder“

(Prosodia)
Die deutsche Volksmusik kämpft mit ihrem Image. Heimtümelnd, reaktionär, öde und andere unschöne Attribute werden ihr zugeschrieben – und das häufig nicht zu Unrecht. Jetzt nehmen sich die Folk-Verrückten von Nobody Knows den „tiutschen“ Traditionals an, um sie von der jahrzehntelangen Knechtschaft der Langweile zu befreien und neu zu beleben. Dabei wird von vorne herein mit einem breiten Grinsen auf den Backen vermieden, „völkischer“ Stumpfheit oder einer braunblöden „deutschen Leitkultur“ Raum einzuräumen. Vielmehr wird bewusst die dogmatisierende Reinheit des deutschen Kulturgutes mit chaotischer Berechnung gebrochen und dem sabbernd schunkelnden Musikantenstadlzombie mit fetzigen irischen Jigs oder Reels der Seitenscheitel vom Schädel gepustet. Jegliches Gleichschrittmarschieren wird mit witzigen wie gewitzten Ideen aus dem Rhythmus katapultiert, hier und da huscht einmal Vivaldi durch die Interpretationen, schleicht sich ein Spiritual ein oder es springt ein Gypsy-Klassiker durch die Notenlinien. Bei all der ausgelassenen Laune bleibt jedoch ausreichend Luft für romantische Momente, balladeske Schwere oder tiefsinnige Nachdenklichkeit. „Folkslieder“ ist ein Album für den feierfreudigen wie anspruchsvollen Folk-Fan – facettenreich, lebendig und erfinderisch.
Peter Sailer

Rezension aus Sonic Seducer, Ausgabe 09/2017.
Thursday the 21st.
2017 Sonic Seducer Magazin

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