CD-Rezension / Review / Kritik

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Nachtgreif Dunkle Materie CD Cover

Nachtgreif „Dunkle Materie“

(7hard/Membran)
Auch wenn Bandkopf Thorsten Fries versichert, der Song „Kinder der Nacht“ sei nicht als Hymne für die Szene gedacht: Das zweite Album der Mannen aus Kaiserslautern tendiert ganz klar zum Gothic-Flair. So schrauben Nachtgreif die Vorliebe für klassischen Metal zurück oder kleiden entsprechende Riffs zumindest in ein dunkles Gewand, das zum Cover mit dunkel umwölktem Notre-Dame-Wasserspeier passt. Das harmoniert mit dem pathetischen Anteil, der mal raukehligen, mal sonoren Vocals. Man ahnt es bereits: bei dieser Mischung sind auch Anklänge an die Neue Deutsche Härte nicht fern. Sie halten sich aber in Grenzen, was Nachtgreif eine gewisse Individualität bewahrt. Während die Gitarren sägen und das sehr synthetisch produzierte Schlagzeug schiebt, intoniert Fries Lieder über aus dem Ruder laufende Triebe („Brachial“), den schönen Schein im gleichgeschalteten „Wunderland“, Träume von Freiheit („Wenn der Wind nicht wär“) oder Geburtstage („Alles Gute“). Letzteres könnte man mit seinem Text fast schon als Rocker-Variante von Unheilig-Herzlichkeit bezeichnen. Das größte Manko an „Dunkle Materie“ ist nicht die wahrscheinlich im Budget begründete, teilweise recht hölzerne Produktion. Vielmehr hätte dem Album eine größere Bandbreite in punkto Tempo und Härtegrad gutgetan. Alles bleibt mehr oder minder auf einem Level. Trotzdem: Im Vergleich zum Debüt markiert „Dunkle Materie“ einen Schritt nach vorn. Kinder der Nacht dürfen die Ohren spitzen.
Christoph Kutzer

Rezension aus Sonic Seducer, Ausgabe 07/2017.
Monday the 21st.
2017 Sonic Seducer Magazin

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