CD-Rezension / Review / Kritik

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mirrors for psychic warfare mirrors for psychic warfare

Mirrors For Psychic Warfare
„Mirrors For Psychic Warfare”
(Neurot Recordings/Cargo Records)
Fünf Stücke, die sich über eine dreiviertelstündige Spielzeit erstrecken – ganz klar, hier lassen sich Menschen Zeit, ihre musikalischen Vorstellungen in Geruhsamkeit zu zelebrieren. Die Künstler, die hinter diesem Projekt stehen, sind Scott Kelly (Neurosis) und Sanford Parker (Buried At Sea). Die Hörer dieses Albums sollten Bereitschaft zur Geduld aufbringen: In unbeirrter Langsamkeit werden Klangkonstrukte präsentiert, die durch surrende Layer, stoische, sich dauernd wiederholende Riffs, kurzum durch Monotonie charakterisiert werden. Einzelne Elemente ziehen sich wie eine dürre Wirbelsäule durch Konstrukte von Feedback und anschwellenden Krach-Komponenten; eine düstere Stimme, die an früheste New-Wave- oder No-Wave-Tage erinnert, zelebriert eine lakonische, knarzende, attraktive Gesangsminimalkunst. Fürwahr! Diese Collagen sind so etwas wie Klang gewordene Unruhe: Rastlosigkeit, ein sich im Schlamm wälzendes Ungeheuer erhebt sich langsam aus einem albtraumhaften Lavastrom. Es werden wiederholt sehr leere Arrangement-Räume geschaffen, in denen lediglich winzige, filigrane Geräusche summen; von spärlicher Perkussion unterlegter hypnotischer Minimalismus. Doch eigentlich wird vom Hörer nicht nur Geduld gefordert, sondern obendrein echte Nervenstärke – und eine Freude daran, zermürbenden, doch womöglich heilsamen Klangexperimenten lauschen zu wollen.
Kym Gnuch

Rezension aus Sonic Seducer, Ausgabe 06/2016.


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