CD-Rezension / Review / Kritik

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Minor Victories
„Minor Victories“
(PIAS/Rough Trade)
Zugegeben: In Zeiten zusammenrückender Musikstile und digitaler Kommunikationswege ist eine Supergroup keine Besonderheit mehr. Wenn Mitglieder von Slowdive, Mogwai und Editors gemeinsame Sache machen, sollte man trotzdem ganz genau hinhören. Das wurde schon beim Vorabsong „A Hundred Ropes“ klar, der sich mit glasklaren Keyboards und geschwind-maschinellen Beats schnell als Hit entpuppte. Neben den wie üblich voluminös hochfahrenden Post-Rock-Gitarren von Mogwais Stuart Braithwaite und der ohnehin den zehn Stücken engelsgleich vorstehenden Slowdive-Sängerin Rachel Goswell spielen also auch Elemente bei Minor Victories eine Rolle, mit denen man nicht unbedingt gerechnet hätte – etwa elektronische Wucht und dicke Streicherflächen, die vielen Stücken eine samtene Grundierung verleihen. Auch illustre Gäste sind am Start: Mark Kozelek von Sun Kil Moon grummelt sich im Duett mit Goswell durch die spröde, aber zweideutige Synthie-Klopferei „For You Always“, und „Scattered Ashes (Song For Richard)“ swingt mit The Twilight Sads James Graham als zweiter Stimme so unverschämt vollmundig, dass Indie-Pop-Köstlichkeiten wie „Wincing The Night Away“ von den Shins zum Greifen nahe sind. Auf „Minor Victories“ passiert also vor allem eines: eine Menge. Und von der nicht minder spannenden visuellen Seite des Ganzen haben wir noch gar nicht angefangen – doch die kann man nun einmal nicht hören. Im Gegensatz zu diesem exquisiten und äußerst aufgeräumten Album.
Thomas Pilgrim

Rezension aus Sonic Seducer, Ausgabe 06/2016.

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