CD-Rezension / Review / Kritik

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Liars
„Mess“
(Mute/GoodToGo)
„Mess“ – man merkt schon, Liars wollen auch auf ihrem siebten Album nicht mess-, äh missverstanden werden. Doch es kann eben auch nicht schaden, ihr heilloses Durcheinander noch einmal zu betonen. Ironie des Ganzen: „Mess“ ist nach dem chronisch zweifelnden „Wixiw“ und dem Überraschungsei „Sisterworld“ das konsistenteste Werk des Trios seit langem. Wer jedoch die verhuschte elektronische Schlagseite von „Wixiw“ nur für eine Episode hielt, sieht sich getäuscht, denn inzwischen kommen noch weniger Gitarren vor als zuletzt. Die ersten drei Stücke peitschen den unvorbereiteten Hörer sogar mit aller Macht auf die Tanzfläche. Doch natürlich schleichen sich immer noch ausreichend entschleunigte Geisterstimmen und synthetische Gruseleien in die Songs, auch wenn es noch nie so viele scharfe Basslinien, digitale Beats und technoide Harmonien bei den drei Verpeilten gab. Erst das listig betitelte „Pro Anti Anti“ macht ein Fass mit psychedelischen Kraut-Harmonien auf – als hätte es nicht schon gereicht, an den durchgetanzten Socken zu schnüffeln, wozu der krachende Opener „Mask Maker“ ausdrücklich per Roboterstimme auffordert. Die keck scharwenzelnde Single „Mess With A Mission“ legt sich sogar mit Flexi-Pop an, und das schwelende „Perpetual Village“ hofknickst gegen Ende länglich in Richtung des „Sisterworld“-Meisterstücks „Proud Evolution“. Also Vorsicht: Dieses Chaos hat Methode, und Liars verwirren nach wie vor. Diesmal halt nur auf der Tanzfläche.
Thomas Pilgrim

Rezension aus Sonic Seducer, Ausgabe 04/2014.



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