CD-Rezension / Review / Kritik

Drucken
Harpyie Anima CD Cover

Harpyie „Anima“

(Metalville/Rough Trade)
Der jüngste Silberling der ambitionierten Folk Metal-Soundschmiede zeigt, dass Harpyie ihren Sound zu 100 Prozent gefunden haben. Die Scheibe sprüht vor Spielfreude, Souveränität und entspannter, ganz natürlich fließender Kreativität. Hier scheint nichts erzwungen, forciert oder angestrengt; ein Album, das vollkommen aus dem Bauch heraus entstanden ist. Diese relaxte Attitüde zieht sich durch das gesamte Werk und schafft neben dem bekannten Harpyien-Sound - welcher wuchtig-druckvolle und moderne Metal-Attacken mit mittelalterlichen, traditionellen Folk-Elementen vereint - eine ziemlich interessante Dynamik: Wild, aufbrausend und ungestüm auf der einen Seite, tiefsinnig, reflektierend und poetisch auf der anderen. Ein spannender Kontrast, den die Spielmannszunft hier zelebriert und durch den Einsatz von klassischer Orchestrierung als auch elektronischen Klängen sogar noch zu intensivieren vermag. Auch gesanglich setzt sich Sänger Aello keine Grenzen und stellt in den 13 Stücken sein ganzes stimmliches Repertoire unter Beweis; sei es nun gefühlvoll und melancholisch wie in „Löwenherz“, mysteriös wie in „Rasputin“ oder völlig durchgeknallt wie in „Berserker“ (hier sollte man sich auf jeden Fall das bereits veröffentlichte Video anschauen!). Komplettiert wird „Anima“ durch eine wunderschöne Melodik, die sich in jedem Song wiederfindet, einem Hauch Mystik wie in dem fantastischen „Ambra“ sowie eine treibende Rhythmik („Flieg“, „Totem“), die durch alle Glieder fährt. Die Harpyien sind erwachsen geworden und besser denn je.
Jasmin Froghy

Rezension aus Sonic Seducer, Ausgabe 05/2017
Thursday the 24th.
2017 Sonic Seducer Magazin

©