CD-Rezension / Review / Kritik

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The Ghost Wolves Texas Platinum CD Cover

The Ghost Wolves „Texas Platinum“

(Hound Gawd Records/Broken Silence)
Ohne Bass macht die Musik keinen Spaß. Zumindest behaupten das die Bassisten. Richtig ist, dass Combos, die sich neben dem Gesang mit Gitarre und Schlagzeug zufriedengeben, auf Dauer oft ein bisschen ermüdend wirken. Sängerin und Gitarristin Carley ‚Carazy‘ Wolf und ihrem Kompagnon Jonathan ‚Little Hammer‘ Wolf (Schlagzeug und Stimme) gelingt es ganz hervorragend, ihre trashige Mischung aus Garage, Blues und weiteren Einflüssen unterhaltsam zu halten. Ganze 40 Minuten lang. Zwar covert das Duo aus Austin/Texas nicht das gute, alte „Strychnine“ von den Sonics, dafür fährt es aber das formidable, eigene „Strychnine In My Lemonade“ auf. In „Noisy Neighbours/Yuppie Scum“ wird zunächst ein ultraverzerrtes Lavariff ausgereizt, dann geht es flink Richtung Alternative-Rock, ohne die nötige Portion Krach zu vernachlässigen. „Whettin’n My Knife“ klingt ein wenig, als würde ein Rrrriot-Girl Joan Jett interpretieren. „Triple Full Moon“ steigert sich von einem transparenten Stück mit Bassdrum- und Schlagzeugstick-Klackern in wütenden Punk hinein. Hasil Adkins? Sonic Youth? Cramps? Babes In Toyland? Das neue Album des Ehepaars Wolf, das seit 2010 unterwegs ist, zeigt sich bei allem Minimalismus sehr vielseitig. Den Spagat zwischen Untergrund-Gepolter und Rock-Hymnen wie „I Got Money $“ muss man erst einmal hinbekommen, ohne sich wehzutun. Es lebe der Lärm!
Christoph Kutzer

Rezension aus Sonic Seducer, Ausgabe 05/2017
Thursday the 22nd.
2017 Sonic Seducer Magazin

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