CD-Rezension / Review / Kritik

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gnod mirror

Gnod
„Mirror“
(Rocket Recordings/Cargo)
2007 trat das Musiker-Kollektiv aus Manchester mit dem hübsch betitelten Album „Abstehen der Ohren“ erstmals ans Schwarzlicht einer an Noise gewöhnten Öffentlichkeit. Seitdem variieren Sound und Personal in schöner Regelmäßigkeit, wobei die Eckpfeiler No Wave-Brachialität (vgl. frühe Swans), am Krautrock geschulte Störrigkeit und Artpunk-Aufruhr weitgehend unangetastet geblieben sind. 2015 erschien mit der Doppel-CD „Infinity Machines“ endlich ein monolithisch anmutendes Werk, das dem Potential der Mitwirkenden auch abseits irrsinniger Geräuschpegel gebührendes Gehör verschaffen konnte. Mit ihm kann es „Mirror“ leider nicht aufnehmen, da das Album mit seinen drei Tracks zu sehr am Vorgänger anknüpft, ohne diesem noch etwas hinzufügen zu können. Der Titelsong ist sogar dermaßen konturlos und läpsch geraten, dass man meinen könnte, Gnod wollten ihre zuletzt erworbenen Lorbeeren bewusst welk werden lassen. „Learn To Forgive“ kommt anschließend schon deutlich resoluter in die Hufe, doch fände es ohne die atmosphärische Verstärkung von Sirenengeheul und kaum definierbarem Schnickschnack im Detail wohl auch nur schwerlich ins Ziel. Vermutlich sollten diese Fehlversuche nur den achtzehn Minuten währenden Brocken „Sodom & Gomorrah“ präludieren, mit dem Gnod zwar eine respektable Lärmorgie vom Stapel lassen, sich aber - in Anbetracht von „Infinity Machines“ - doch wieder nur unter Wert verkaufen.
Stephan Wolf

Rezension aus Sonic Seducer, Ausgabe 05/2016.

Tuesday the 17th.
2017 Sonic Seducer Magazin

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