CD-Rezension / Review / Kritik

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DAF Das ist DAF CD Cover

DAF „Das ist DAF“

(Grönland/Rough Trade)
Wie die Musikwelt wohl aussähe, wenn es DAF nicht gegeben hätte? Vielleicht wären andere gekommen, die den Schritt gemacht hätten. Aber es waren Robert Görl und Gabi Delgado, die einen Sound schufen, der dringlicher nicht sein konnte. Was Delgado an zackigen Parolen auf Görls mal aggressive, nicht selten erstaunlich intime Sequenzerläufe schmetterte, hat die Zeit überdauert und klingt auch nach fast 40 Jahren immer noch frisch. Ganz im Gegenteil zu den nicht minder wichtigen Kraftwerk, deren Sound heute zu Recht Museen erfüllt. Mit „Die Kleinen und die Bösen“ und der Trilogie „Alles ist gut“, „Gold und Liebe“ und „Für immer“ vereint die Vinyl-Collection die wichtigsten Alben des Duos. Sie sind Pflicht für alle, die sich ernsthaft mit elektronischer Musik auseinandersetzen und den schmutzigen, verschwitzten Maschinen DAFs noch einmal begegnen wollen. Die beiden neuen Songs zeigen, welchen Weg DAF für ihr kommendes Album einschlagen werden, das mit dem zweiten Teil von „Das ist DAF“ erscheinen soll: zurück zu den Wurzeln! „Sprache der Liebe“ belebt den alten Analog-Vibe à la „Sato Sato“ wieder; der Sequenzer pumpt und Delgado dekliniert sich durch Liebe, Sex und DAF. Die B-Seite „Ich bin nicht da“ hält unterdessen mit hypnotischem Minimalismus dagegen. Für das Remix-Album der Sammlung haben Görl und Delgado nicht nur selbst Hand angelegt, sondern DAF-Songs u.a. von Boys Noize, Westbam und Dance-Altmeister Giorgio Moroder remixen lassen. Gerade Moroders Version von „Der Mussolini“ und Westbams „Sato Sato“ geben den 35 Jahre alten Songs neuen Drive. Aber gegen die unmittelbare Dringlichkeit der Originale kommen auch sie nicht an. Mit dem kontrastiven Mix aus Alt und Neu unterstreicht „Das ist DAF“ die gewaltige Bedeutung des Duos für die Dance-Musik.
Torsten Schäfer

Rezension aus Sonic Seducer, Ausgabe 10/2017.
Thursday the 19th.
2017 Sonic Seducer Magazin

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