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2014-paul kendall family value pack

Paul Kendall
„Family Value Pack“
(Ant-Zen)
Paul Kendalls Ruf als Produzent ist ausgezeichnet, seine Kooperationen mit Depeche Mode, Recoil, Nitzer Ebb und anderen sprechen für sich. Wie kreativ er auch als Musiker ist, beweist sein neues Album „Family Value Pack“, eine feine Kollektion unorthodoxer, experimenteller elektronischer Arrangements. Während auf seinem 2011 erschienenen Werk „Angleterror“ noch Gitarren zu vernehmen waren, setzt Kendall diesmal voll auf synthetische Klänge und die Wirkung seiner Stimme. Sprachsamples, die teilweise von Familienmitgliedern Kendalls stammen, tragen ihren Teil zum gelungenen Klangkonstrukt bei. „It’s Ok“ heißt einer der verschrobenen Tracks, in denen Kendall zahlreiche Versatzstücke so miteinander kombiniert, dass zu keiner Zeit Langeweile entsteht. Nicht nur ok, sondern eine Kunst für sich ist es, klappernde Innenraumgeräusche wie im Titeltrack so zu inszenieren, dass die Konsumenten sich nicht irritiert abwenden, sondern im Gegenteil gespannt lauschen, was da folgen möge: Ein leises Flüstern, später ein elektronisches Fauchen, untermalt von einer bedrohlich wabernden Soundkulisse, unvermittelt verstummend, in diffuses Hintergrundrauschen übergehend, gefolgt von zartem Kleinmädchengesang und endend in leisem, sirenenartigen Summen. Beeindruckend, wie Kendall mit einfachen Mitteln einen unvergleichlich effektiven Spannungsbogen erzeugt. Zum Beispiel in „Ex.Posed“, dessen klangliches Gerüst aus sonorem, bedrohlich anschwellendem Flächensound besteht, der den Eindruck erweckt, als setze ein Schwarm Ufos zur Landung an, um eine verheerende Invasion zu beginnen. „Family Value Pack“ ist ein akustischer Hochgenuss, der in seiner fraglos sehr speziellen Gesamtwirkung kaum hoch genug eingeschätzt werden kann.
Kai Reinbold

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