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lindemann skills in pills

Lindemann
„Skills In Pills“
(Warner)
Hinter diesem Projektnamen steckt in der Tat derjenige, den man erwartet – und das, obgleich es sich eigentlich um ein Duo handelt, welches aus Till und Peter Tägtgren (Hypocrisy, Pain) besteht. Die beiden zogen sich in Peters Studio zurück, verstanden einander wohl blind – und schufen ein Werk, das den Hörer , je länger er eintaucht, zu erschlagen droht. Meine Herren Rammstein! Werden sie von Sorgen gequält werden, ob sie diese Scheibe mit ihrem nächsten Album an Hammerqualität erreichen, geschweige denn toppen werden? Diese Angst hätte sie (bis auf Richard Kruspe, klar) wohl auch schon beim letzten Emigrate-Werk beschleichen können, doch „Skills In Pills“ ist insgesamt näher an der Rammstein’schen Klangwelt – und dies, obwohl die Produktion mehr organischen Schmutz bereitstellt, die Gesänge tiefer in die Arrangements gemixt sind und Till sich durchgehend der englischen Sprache bedient. Doch diese scheint seinem Gesang gar Nuancen von Intonationsfähigkeiten zu verleihen, die vordem noch nicht zu hören waren. Und die Kompositionen sind schlichtweg niederringend. Metal; Industrial; Härte; laszive Reduktion; gleißende Refrains, die von fetten Gitarren und jubilierenden Chören umrahmt werden und extrem ohrwurmhaftig daherkommen; flirrende Keyboards; brutale Drums; balladeske Piano-Parts; niederschmetternde Hymnen: hier stimmt einfach alles. Und die Lyrics? Englisch nun, doch heikel wie immer. Songs wie „Fat“ oder „Golden Shower“ sind derart explizit sexuell bis pornographisch, dass einem Angst und Bange wird: kann man dieses Monster eigentlich wirklich mit einer Frau allein in einem Zimmer lassen? Doch wer eine solch humorvoll wirkende Verquickung zwischen den Lyrics ‚Cunt! Shower!’ und den gleichzeitig laufenden Melodiebögen erschafft, der kann einfach nur den Schalk im Nacken und sich im Studio vor Lachen herzhaft geschüttelt haben. Oder? Hört doch mal rein: ob Ihr da zustimmen würdet.
Kym Gnuch
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