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atari tenage riot reset

Atari Teenage Riot
„Reset“
(Digital Hardcore Records/Rough Trade)
Kann Digital Hardcore nach Hausmacherart auch in Zeiten des enthemmten Gebrauchs von Copy und Paste beim Fabrizieren von Popmusik erhöhte Aufmerksamkeit auf sich ziehen? Statt derlei dumme Fragen zu ignorieren oder wortreich ins Leere laufen zu lassen, drücken Alec Empire, Nic Endo und MC Rowdy Superstar beherzt auf die Reset-Taste, um von der Instant-Entschlackungskur gestärkt ohne Umschweife zur Sache zu kommen. Mit taktisch exakt dosierter Brutalität verteilen sie ihre Streubomben aus der Asservatenkammer der psychologischen Kriegsführung, ohne das Gespür für den Einsatz von Aufsehen erregenden Querschlägern im Sekundentakt aus dem Auge zu verlieren, die ihre Opfer zugleich verletzen und befreien. Insbesondere die Trias zu Beginn des hochexplosiven Reigens („J1M1“, „Street Grime“ sowie der Titeltrack) pulverisiert selbst größte Zweifel an der Notwendigkeit von ATR im Hier und Jetzt. Wenn auch die Scheibe im weiteren Verlauf ab und an etwas zu zerfasern droht, die Starkstromspannung des Auftakts nicht permanent sämtliche Sicherungen raushaut, bleibt definitiv festzuhalten, dass von „Reset“ eine Energie ausgeht, die vehement dazu auffordert, auch die inhaltliche Dimension des Albums nachzuvollziehen und zu verinnerlichen. Unter den gegebenen Um- und Zuständen waren ATR vielleicht noch nie so wertvoll wie heute.
Stephan Wolf

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www.atari-teenage-riot.com

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