CD-Rezension / Review / Kritik

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Ulver Riverhead OST CD Cover

Ulver „Riverhead“ OST

(House Of Mythology/Soulfood)
2003 legte das notorische Freidenker-Kollektiv um Kristoffer Rygg mit dem Soundtrack zu „Svidd Neger“ eine Messlatte auf, die bis dato von einer stattlichen Anzahl Epigonen gerissen wurde. Nur wenigen - es mögen Hilmar Örn Hilmarsson (nahezu unerreicht mit „Children Of Nature“) und - erst recht - Jóhann Jóhannson (zuletzt mit „Arrival“) als Ausreißer ins Feld geführt werden - ist es seitdem ähnlich wie Ulver gelungen, mit einer ambient orchestralen Direktive gleich zweierlei zu erledigen: Die interpretatorische Aufgabe, einen Film nicht allein dienlich zu begleiten, sondern ihm sympathetisch latente Bedeutungsebenen zu entlocken. Und dabei, zweitens, en passant und abzugsfrei, an der eigenen Fama zu stricken. Das von Justin Oakey brillant inszenierte Drama um Blutrache und Verblendung - man muss es nicht gesehen haben, um „Riverhead“ zu verstehen. Um einzusehen, dass selbst bestens begründete Zweifel zu einer dem Tod geweihten Stasis führen. Im Umkehrschluss wird auch das Wesen des Bandgefüges, trotz allem programmatisch verankertem Laissez-faire (soi-même), wieder erkenntlich: Als allgegenwärtig schlechtes Gewissen, das - einst von Black Metal-Animositäten ausgehend - frech und frei Schattenseiten extrapoliert, die zur Not auch in barer Schönheit zu sterben vermögen.
Stephan Wolf

Rezension aus Sonic Seducer, Ausgabe 02/2017.
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