CD-Rezension / Review / Kritik

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Steven Wilson To The Bone CD Cover

Steven Wilson „To The Bone“

(Caroline/Universal)
Mit dem referentiellen Aufgriff der goldenen Ära spektakulär inszenierter Popmusik (Mitte der achtziger Jahre: Tears For Fears, Talk Talk etc.) entschlackt Steven Wilson seine eigenen Fundamente, ordnet seine Koordinaten neu - und überwältigt somit sämtliche Verknöcherungen, die das eigene Schaffen mit den Jahren ausgebildet hatte. Wurde dem schmächtigen Briten im Zusammenhang mit dem Vorgängeralbum „Hand. Cannot. Erase.“ sporadisch (aber nicht zu Unrecht) der Vorwurf gemacht, er liege auf den Ruhekissen längst erwiesener Kompetenzen allzu bequem, riskiert der Modern Prog-Maestro auf „To The Bone“ seinen Nimbus einer produktionstechnisch zwar stets überzeugenden, aber auch graduell überzüchteten Selbstverwaltung. Und geht als Erneuerer hervor. Indem er sich extrem diversifizierte Stile und Schulen bereits im Ansatz entschieden und offensiv fügsam macht: Hochglänzender Wave-Pop trifft auf grollend schiebende Gitarrenfronten, sattsam quer gebügelten Neo-Blues und zeitlos entrückte Elegie. Mit „To The Bone“ ist es Steven Wilson gelungen, aus dem wohligen Schatten seiner Vergangenheit (inklusive dem von Porcupine Tree) zu treten. Mit einem Werk, das weder irdische Kategorien achtet, noch die inhaltliche Konfrontation mit ihnen scheut. Würde alles Übel dieser Welt flächendeckend zu solcherlei Kreativ-Schüben führen, stünde der Menschheit eine globale Kulturrevolution des Heils ins Haus. Musik als Theologie der Befreiung? Wenn schon nicht das „Album des Jahres“, so doch das Album zur Zeit.
Stephan Wolf

Rezension aus Sonic Seducer, Ausgabe 09/2017.
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