CD-Rezension / Review / Kritik

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walking on cars everything this way

Walking On Cars
„Everything This Way“
(Virgin/Universal)
Freut Ihr Euch, wenn Snow Patrol oder Coldplay im Radio laufen? Walking On Cars dürften das auch hinbekommen. Sie hauen in die gleiche Kerbe und liefern melancholisch umschattete Popsongs mit Gitarren, die absolut massenkompatibel, aber zugegebenermaßen sehr gut gemacht sind. Was diesem Debüt komplett abgeht, sind Überraschungsmomente, Ecken und Kanten. Da mag die Gitarre in „Speeding Cars“ zwischendurch noch so geschmackvoll übersteuern: Es bleibt Hochglanzmucke. Lieder wie „At Gunpoint“ sind wie dafür geschaffen, Weltmeisterfeiern, öffentliche Jahreswechsel und andere emotionale Großveranstaltungen zu untermalen. Wer alternative Musik sucht, kann also getrost Abstand nehmen. Andererseits hat Sänger Patrick Sheehy eine Stimme, die zu Recht ihre Liebhaber finden wird. Ideen wie die Percussion zu Beginn von „Always Be With You“ oder die Sounds am Anfang von „Love Backs Down“ inklusive 80er-Jahre-Gedenk-Gitarre im Hintergrund sind für sich genommen wirklich gut. Wenn schon Mainstream, dann bitte solchen, wie ihn die fünf Freunde aus dem irischen Dingle hier auffahren, die – auch das soll nicht unter den Tisch fallen – bereits seit vier Jahren gemeinsam unterwegs sind und als gute Live-Kapelle gelten. Die Qualität stimmt. Der Hang zum Lamento ist konsensfähig. Käme noch ein Schuss Querköpfigkeit dazu, wäre die Band allerdings wesentlich spannender.
Christoph Kutzer

Rezension aus Sonic Seducer, Ausgabe 06/2016.