CD-Rezension / Review / Kritik

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tuxedomoon pink narcissus

Tuxedomoon
„Pink Narcissus“
(Crammed)
Tuxedomoon waren als Band schon immer eher an künstlerischen Herausforderungen interessiert als an purer Unterhaltung. So kommt es, dass es jahrelange Pausen zwischen den Alben gibt, seit sieben Jahren hat man nichts mehr von ihnen gehört. Und nun das: Ein neuer Soundtrack für einen Schwulenkultfilm, der größtenteils in den 60er Jahren gedreht wurde, aber erst 1971 gegen den Willen des Regisseurs gezeigt wurde. Der wiederum wurde damals noch als „Anonymous“ bezeichnet. Erst Mitte der 90er, als um Homosexualität nicht mehr so viel Aufheben gemacht wurde wie zum Zeitpunkt der Veröffentlichung, fand man heraus, dass der Film von James Bidgood gedreht worden war. In der Schwulen-Szene galt der Film lange als heißer Tipp, schon allein wegen seiner grellen übersteigerten Kitschigkeit. Die Geschichte vom jungen Prostituierten, der sich seinen märchenhaften, narzisstischen Tagträumen von Matadoren und Bauchtänzern hingibt, taucht auch die Musik in ein weiches, aber nicht durchgängig harmonisches Licht. Tuxedomoon verleihen dem Film, den sie 2011 in Paris auch schon live begleiteten, eine zusätzliche emotionale Tiefe und Dramatik, die dem aus Versatzstücken erstellten doch etwas antiquierten Originalsound abgeht. Das Album erschien zum Record Store Day exklusiv auf Vinyl, jetzt bekommt man es nur noch als Download – oder zu überteuerten Preisen von Wiederverkäufern.
Georg Howahl

Rezension aus Sonic Seducer, Ausgabe 05/2014.

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