CD-Rezension / Review / Kritik

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nik page songs of lemuria die liebe ist ein raubtier

Nik Page & Songs Of Lemuria
„Die Liebe ist ein Raubtier“
(Wannsee/Sony)
Zugegeben: Coverbands und -Alben hat es stets wie Sand am Meer gegeben. Und nicht immer muss es so gut laufen wie bei „Apocalyptica Plays Metallica By Four Cellos“ oder den fragilen Werken von Goldkehlchen Birdie. Dass der erfahrene Synth-Popper Nik Page und seine drei Kollegen aus dem Klassik-Bereich die Disziplin des puristischen Herunterbrechens mindestens genauso gut beherrschen wie ihre soeben genannte Kollegen, beweisen sie seit 2006. Da nämlich fing man an, diverse Klassiker aus Rock, Goth und Songwritertum mit Klavier, Violoncello und zwei Vokalisten neu zu interpretieren. Den Nebentätigkeiten der Mitglieder, die mit meist zwei zusätzlichen Anstellungen schon recht gut ausgelastet waren, mag es wohl geschuldet sein, dass erst jetzt das zweite Full-Length auf den Markt kommt. Nach Austritt und Ableben von Mitgründerin Michaela Laubach war zunächst nur Page als Gesangsstimme aktiv. Aktuell wird er beziehungsweise das Pop-Klassik-Projekt insgesamt von Jasmin M. Shaudeen unterstützt. Die EP „Die Liebe ist ein Raubtier“ klingt deutlich lasziver als ihre Vorgänger, was nicht zuletzt dem mit englischen, deutschen und französischen Lyrics gespickten Titeltrack zu verdanken ist, in dem sich Shaudeens Vocals galant um die von Page räkeln. Der Gegensatz von kratziger, etwas statischer männlicher Gesangsstimme und der tänzelnden, wandelbaren weiblichen ist – trotz aller Geschlechter-Stereotypie – ein genau so köstlicher Hörgenuss wie die wohldosiert eingesetzten Melodiebögen der Klassik-Instrumente. Auch nach vier Jahren Pause haben Songs Of Lemuria nichts verlernt.
Hannah M. Seichter

Rezension aus Sonic Seducer, Ausgabe 10/2014.