CD-Rezension / Review / Kritik

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der rest 10 lieder fuer freunde

Der Rest
„10 Lieder für Freunde“
(Morganafilms/Artist Station Records/Soulfood)
Der Rest vom Fest? Den Letzten beißen die Hunde? Mitnichten – für derartige unerträglich witzige Assoziationen war beim Hamburger Trio um Philipp Taraz noch nie Platz. Wer die bisherigen Der Rest-Alben „Der Tisch ist gedeckt“ und „Willkommen im Café Elend“ kennt, weiß nämlich, dass sich die Songs der Norddeutschen vorwiegend im Schatten der menschlichen Existenz aufhalten und in eine ähnliche Kerbe schlagende Bands wie Messer oder Die Nerven wie rumpelige, verzweifelt um Bedeutung ringende Hipsterkapellen aussehen lassen. Der Rest hingegen gehen ans Eingemachte, stellen sich im Rocker „Die Zeit danach“ bohrender Seelenpein, bekämpfen mit „Das Universum atmet“ störrisch den inneren Schweinehund und liebäugeln bei „Der Autor“ mit dem eigenen Ruin – und manchmal kommt dem Hörer der Gedanke, die beileibe nicht immer gut gelaunten Tocotronic könnten eine ähnliche Platte aufnehmen, wenn sie ihre jungen Jahre in düster verrauchten Schuppen verbracht hätten. Haben sie aber offensichtlich nicht, und so ist es weiterhin an Der Rest, unbequeme Wahrheiten und schmerzliche Ego-Kapitulationen so lange mit desolatem Punkrock-Vibe und gespenstischer Songwriter-Verzweiflung zu bekämpfen, bis die Seele nicht mehr brennt – zumindest nicht mehr im negativen Sinne. Das kann zwar etwas dauern, lohnt sich auf „10 Lieder für Freunde“ aber umso mehr.
Thomas Pilgrim

Rezension aus Sonic Seducer, Ausgabe 07-08/2014.



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