CD-Rezension / Review / Kritik

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Der Ringer Soft Kill CD Cover

Der Ringer „Soft Kill”

(Staatsakt/Caroline/Universal)
Es ist ein gewalttätiger bis muskelbepackter erster Eindruck, den man hier angesichts von Bandnamen und Albumtitel bekommt. Wer Der Ringer jedoch schon aus dem Vorprogramm von Isolation Berlin und Drangsal sowie von den EPs „Das Königreich liegt unter uns“ und „Glücklich“ kennt, weiß: Bei den Hamburgern geht es eher schwerelos zu. Siehe auch den Videoclip zur Single „Orbit“, in dem die Mitglieder durchs Weltall schweben – zu vertrackten Rhythmen, über denen Gitarren und Keyboards schwindelnde Höhen erreichen und Sänger Jannik Schneider wie auf dem ganzen Album immer wieder mit dem Auto-Tune-Effekt liebäugelt. Post-Punk ist hier also nur ein Aspekt des Ganzen – das Quartett spielt auf „Soft Kill“ oft bunt irisierende Songs, die genauso mit einer weichgezeichneten Spielart von Dream-Pop oder funky Indie-Rock mauscheln. Bands wie Fotos oder gar Bilderbuch aus Wien sind zuweilen in Hörweite, dichte Shoegaze-Riffs fehlen aber genauso wie lasziver Schmäh. Stattdessen sorgen „Morton Morbid“ und „Violence“ mit massiven Bassläufen für Erdung, während „Soma“ mit jubilierenden Synthie-Spitzen einen halben Meter über dem Boden schwebt. Künstlichkeit ist hier kein Schimpfwort, sondern vielleicht die einzige Waffe gegen eine unwirtliche Realität, der das Quintett mit Mut zum Wachtraum und zu musikalischer Bewusstseinserweiterung entgegentritt. Dieses tolle Album ist mehr als die Summe seiner Teile.
Thomas Pilgrim

Rezension aus Sonic Seducer, Ausgabe 02/2017.
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