CD-Rezension / Review / Kritik

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Pharmakon Contact CD Rezension review kritik

Pharmakon „Contact“

(Sacred Bones/Cargo)
Auf ihrem dritten Album vollzieht das Wunderkind und Aushängeschild des oldschool Neo-Noise eine latente Wandlung: Statt wie zuvor ununterbrochen aufs Ganze zu gehen, um aus nervlichen Belastungstests alarmierende Ernstfälle abzuleiten, agiert Margaret Chardiet auf „Contact“ taktisch verhaltener. Ja fast schon so, als wolle sie ihre gewohnt grelle Brutalität einer subtilen Zähmung unterziehen. Vielleicht würde es aber auch genügen, ihr zunächst einmal einen sich regenden Willen zu Abwechslung und Orchestration zu unterstellen. Denn das energetische Pfund, mit dem Pharmakon - bei unverminderter Sensibilität für Vehemenz und Neurologie - umzugehen versteht, wird erstmals mithilfe von Überraschungsmomenten portioniert. Und somit jeglicher Anflug von Stagnation im Ansatz unterbunden. Dieser Schachzug hat in erster Linie eine nahezu narrativ anmutende Suspense zufolge, in deren Verlauf der Hörer Gefahr läuft, vor lauter Reizen die Fixpunkte zu unterlaufen. Dann ist es an ihm, das Versäumte aktiv nachzuholen, um sich nicht den Vorwurf gefallen lassen zu müssen, dem Lärm als Blendwerk auf den Leim gegangen zu sein. Einen Vorwurf, den natürlich nur Margaret Chardiet erheben kann, so ihr mit „Contact“ recht eindrucksvoll der Wechsel aus der Forensik ins atonale Psychodrama gelingt.
Stephan Wolf

Rezension aus Sonic Seducer, Ausgabe 03/2017.
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