CD-Rezension / Review / Kritik

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Ruined Conflict Triumphant CD Cover

Ruined Conflict „Triumphant“

(Infacted Recordings/Soulfood)
Der Antecessor „A Voice For The Voiceless“ erhielt nur geteilten Applaus: Die mit aggressiven Gitarren gespickte Future-Pop-Variante, zudem noch mit sehr eindeutig als politisch meinungsbildend zu wertenden Lyrics, konnte speziell die Electro-Puristen nicht so recht überzeugen. So besinnt sich Mastermind Xavier Morales auf „Triumphant“ auf sortenreine Tugenden, die der Kernzielgruppe Freudentränen ins Jackett zu locken gedenken. Das ist gut und schön, zumal es der Mann aus Cleveland nicht unterlassen kann, augenzwinkernde Spezialitäten in seinen Sound einzuflechten, die der ganzen Chose erst den rechten Schmiss verleihen. So etwa die Western/Twang-Allüren bei „Reflection“ oder die galligen Martial Industrial-Verweise, mit denen „Divide And Conquer“ einsteigt, um anschließend in ein wie aus dem Ei gepelltes Lehrstück in eigener Sache zu münden. Weiterhin auffällig die profunde Einbindung von Analogismen, die klingen, als hätten sich Tangerine Dream neu formiert, um endlich und komplett auf Eingängig- und Tanzbarkeit zu setzen („Endless Motion“). Hübsche Melodien schüttelt Xavier Morales ohnehin wie Schuppen aus Augen und Ärmeln. Nur wurden sie noch nie so derart verführerisch schlüssig aufbereitet wie auf „Triumphant“. Da hat mal jemand den richtigen Albumtitel gewählt! Garantiert ohne Gitarre, so die stimmliche Ähnlichkeit zu David Draiman (Disturbed) - man höre „Mainstream Corruption“ - auch fast schon wieder den Ruf nach Sechs- bis Zwölfsaitern laut werden lässt. Beinahe.
Stephan Wolf

Rezension aus Sonic Seducer, Ausgabe 07/2017.