CD-Rezension / Review / Kritik

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Mothers Cake No Rhyme No Reason CD Cover

Mother’s Cake „No Rhyme No Reason“

(Membran/Membran)
Präpariert man eine Rose mit flüssigem Stickstoff und traktiert sie im Anschluss mit einem Hammer, so zerbirst sie in tausend Scherben. Mother’s Cake haben Bilder einer solchen zersplitternden Blume als Cover- und Bookletmotiv gewählt und irgendwie trifft das auch den Kern ihres musikalischen Ansatzes: cool klingen sie, ein bisschen tragisch, pathetisch und melancholisch, aber auch vehement und brachial. Wo Schönheit aufschimmert, ist der Bruch nicht weit. „Black Roses“ mag minimalistisch und ruhig beginnen – vor dem rauschhaft-chaotischen Breitwandpart ist man deshalb keineswegs sicher. Nur weil „H8“ zunächst ein bisschen nach einer Brachialfunk-Variante von Led Zeppelin klingt, sollte man den Astronautenanzug nicht im Schrank lassen. In den letzten Minuten verklingt die Nummer irgendwo in der eisigen Weite des Weltraums. Aufwärmen kann man sich dann bei einer Prise Chili Pepper im schweißtreibenden „The Sun“. Was die drei Österreicher hier abliefern, bewegt sich virtuos auf dem schmalen Grat zwischen Genie und Gummizelle. Dank ihrer technischen Brillanz und einem guten Gespür dafür, wann es genug ist mit halluzinierendem Gitarrengegniedel und Fuzz-Bass-Massage, geht die Rechnung am Ende auf. Schlagwörter wie psychedelisch oder progressiv sind teilweise treffend, im Falle von Mother’s Cake sollte sich aber nicht von ihnen Bange machen lassen. Von selbstvergessenen Improvisationsorgien oder technischer Leistungsschau ist das Trio zum Glück gleichermaßen weit entfernt.
Christoph Kutzer

Rezension aus Sonic Seducer, Ausgabe 02/2017.
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Thursday the 23rd.
2017 Sonic Seducer Magazin

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