CD-Rezension / Review / Kritik

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Thurston Moore RocknRoll Consciousness CD Cover

Thurston Moore „Rock’n’Roll Consciousness“

(Caroline/Universal)
Mit Sonic Youth wird es wohl nichts mehr, seit Kim Gordon und Thurston Moore geschiedene Eheleute sind, erstere mit Body/Head und Glitterbust gleich zwei neue Bands betreibt und 2016 die donnernde Solosingle „Murdered Out“ aufnahm. Immerhin macht Moore noch gemeinsame Sache mit Schlagzeuger Steve Shelley – zum Beispiel auf seinem neuesten Album. Und das lässt sich alle Zeit der Welt: „Rock’n’Roll Consciousness“ enthält lediglich fünf Stücke. Die sind dafür aber umso länger. Der zwölfminütige Opener „Exalted“ schießt den Vogel ab und hebt mit einem blechernen Riff an, das „Bull In The Heather“ vom Sonic Youth-Klassiker „Experimental Jet Set, Trash And No Star“ entnommen sein könnte – witziger Weise ein Stück, das aus Gordons Feder stammt: Noisige Gitarren türmen sich immer höher auf, bis Moores verschlafener Gesang für den nächsten Wiedererkennungseffekt sorgt. Trotz massiver Spielzeit ebenso kurzweilig wie das verwilderte „Cusp“ in ungefährem Decemberists-Uptempo oder „Turn On“, das erst spät auf Touren kommt und sich eine ordentliche Schippe Sologegniedel gönnt. „Aphrodite“ markiert den tosenden Schlusspunkt eines Albums, das sein Spiel treibt mit Akustik und Noise, Indie-Rock und Psych-Fuzz – umsichtig in Szene gesetzt von Adele- und Bloc Party-Produzent Paul Epworth. Der Begriff Rock’n’Roll ist hier vielleicht ein wenig hoch gegriffen – aber wer mit Abstraktion nicht klarkommt, für den sind auch Sonic Youth von jeher nur das halbe Vergnügen. Diese 43 Minuten aber sind ein ganzes.
Thomas Pilgrim

Rezension aus Sonic Seducer, Ausgabe 05/2017