CD-Rezension / Review / Kritik

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Millionaire Sciencing CD Cover

Millionaire „Sciencing“

(Unday/Rough Trade)
Tim Vanhamel kann nicht nur auf Touraktivitäten als Livegitarrist von Deus und auf einen Albumauftritt bei Josh Hommes Eagles Of Death Metal verweisen: mit Millionaire brachte es der Belgier auch als Bandkopf zu beachtlicher Anerkennung. Eine neue Albumveröffentlichung der Kapelle ließ allerdings schlappe zwölf Jahre auf sich warten. Nun liegt der dritte Langspieler vor und mit „I’m Not Who You Think You Are“ geht es direkt hinein ins Vergnügen. Die Musik erweist sich dabei als ebenso doppelbödig wie der geniale Songtitel. Einerseits groovt das Ding wie eine entspannte Party-Nummer, andererseits sind sägende Gitarrensounds und Verzerrer allgegenwärtig und es ist nur konsequent, dass das Ganze nach hinten raus geradezu in Psychedelik ausartet. Auch „Under The Bamboo Moon“ ist von einer eher rabiaten Gitarre durchzogen. Dennoch zeichnet sich hier ab, dass Millionaire anno 2017 ein Stück gelassener klingen. „Sciencing“ hat den Mut zur Eingängigkeit, zu stilvoller Funkyness („Wastelands“) und zu düsterer Schönheit („Silent River“). Für die nötige Reibung sorgen unzählige Klangspielereien im Hintergrund. Um sie zur Geltung zu bringen, hat sich Vanhamel als Gitarrist insgesamt stark zurückgenommen. „Sciencing“ ist nicht einfach nur die Wiederbelebung eines alten Projekts, es ist eine Neubelebung mit frischen Ideen, die im besten Sinne von musikalischer Reife zeugt.
Christoph Kutzer

Rezension aus Sonic Seducer, Ausgabe 06/2017.
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