CD-Rezension / Review / Kritik

Drucken
OnDead Waves OnDead Waves

onDeadWaves
„onDeadWaves“
(Mute/GoodToGo)
Schon wieder eine Supergroup? Wie Minor Victories? Wenn überhaupt, handelt es sich bei onDeadWaves allenfalls um ein super Duo: Die Alben von Singer-Songwriterin Polly Scattergood muss man sich als weniger durchgeknallte Version von Beth Jeans Houghton alias Du Blonde vorstellen, James Chapman heimste unter dem Namen Maps mit elektronischem Shoegaze-Pop bereits eine Mercury-Prize-Nominierung ein. Auf ihrem ersten gemeinsamen Album entwerfen die zwei Briten nun herrlich vernebelte Songs, die nicht nur an die düstere Melancholie von David-Lynch-Soundtracks andocken, sondern sich auch auf klassische amerikanische Vorbilder wie die Beach Boys, The Byrds oder Low beziehen. onDeadWaves kleiden diese Einflüsse in wunderbar schwermütige Songs, von denen die nicht einmal zweieinhalbminütige Auskopplung „California“ noch der temporeichste ist. „Hollow“ zitiert anschließend die Refrainmelodie von Elvis Presleys „Devil In Disguise“ – ansonsten schwankt dieses Album zwischen halbakustischen Dream-Pop-Balladen, unterschwellig brodelnden The Cure der „Disintegration“-Phase und psychedelischen Schleichern wie „Blue Inside“, das auf Zehenspitzen die Spur von Mercury Revs „Goddess On A Hiway“ verfolgt. Und verabschieden sich onDeadWaves mit dem hypnotischen „Winter’s Child“, ist einem ganz warm ums Herz. Wie in den vorangegangenen 38 Minuten.
Thomas Pilgrim

Rezension aus Sonic Seducer, Ausgabe 06/2016.