CD-Rezension / Review / Kritik

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midaircondo iv


Midaircondo
„IV“
(Twin Seed Recordings)
Schönheit liegt bekanntlich im Auge des Betrachters. Auch das Zerbrochene oder Unvollständige birgt angenehme Reize. „Wir wundern uns über die Schönheit des Abseitigen, aber irgendwann sind wir davon übersättigt. Dann müssen wir sie sabotieren. Dabei entsteht Reibung, und eine neue Art von Schönheit“, erläutert Lisa Nordström ihr ästhetisches Verständnis, das sie mit Lisen Rylander Löve teilt. Als Midaircondo beschreiben die beiden schwedischen Electronica-Vertreter auf ihrem numerisch korrekt betiteltem Album „IV“ die prozessualen Vollzugsweisen ihrer Suche nach dem unkonventionell Schönen - oder zumindest nach einem neu zu interpretierenden Begriff seiner selbst. Live vor Publikum (und unter Einbringung von Saxophon, Zither und Kalimba) eingespielt, entfaltet sich ein annähernd siebzigminütiges Kompendium unaufdringlicher Kohärenzanalyse im Double-Bind von scheinbar harmlosem Wohlklang und dräuenden Abgründen. Midaircondo erscheinen als ein experimentell veranlagtes Pendant zur vornehmen Zurückhaltung von Blonde Redhead und stehen zugleich für eine Fortsetzung skandinavischer Traditionen, wie sie Twice A Man, White Stains oder The Knive vordeklinierten. „Unterhaltung mit Haltung“ (Udo Jürgens).
Stephan Wolf

Rezension aus Sonic Seducer, Ausgabe 02/2015.
 

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