CD-Rezension / Review / Kritik

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one sentence supervisor this heavy sea

One Sentence. Supervisor
„This Heavy Sea“
(Goldon Records/Broken Silence)
Schweizer, die übers Meer singen – das gibt es nicht allzu oft. Normalerweise würde man den Eidgenossen eher zutrauen, dass sie sich mit dem Eispickel in die Berge aufmachen. Nicht so One Sentence. Supervisor aus dem Kanton Aargau: Die stechen auf ihrem Debüt lieber mitsamt ihren Instrumenten in „This Heavy Sea“. Natürlich eine Metapher, die womöglich als Gleichnis auf die rauen, zuweilen unvorhersehbaren Fährnisse des Musikerdaseins zu verstehen ist. Doch wenn das Quartett weiter so hart am Wind bleibt wie auf diesem Album, ist ein Absaufen höchst unwahrscheinlich: Die elf Songs klingen nicht nur oft wie flirrende Nebelbänke, sondern lassen auch immer wieder den Einfluss geschätzter Koryphäen aus verschiedenen Epochen von Shoegaze und gepflegter Post-Punk-Melancholie erkennen. Durch die Auskopplungen „No Space Left“ und „Gold“ weht filigran verhallte Gitarrenarbeit wie einst bei den Chameleons oder heute bei Interpol, und manchmal paddeln One Sentence. Supervisor so unaufgeregt, aber stetig in eine verheißungsvolle Zukunft, wie es die nordirischen Chefmelancholiker Girls Names zuletzt auf „The New Life“ vormachten. Statt der im Titel steckenden Wildwasserfahrt lädt „This Heavy Sea“ also zu einer herbstlich-kontemplativen Bootspartie ein, bei der es lediglich eine untergeordnete Rolle spielt, wo man letztendlich landet – schließlich ist der Weg das Ziel.
Thomas Pilgrim

Rezension aus Sonic Seducer, Ausgabe 11/2013.

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