CD-Rezension / Review / Kritik

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nolongerhuman withdrawl

Nolongerhuman
„Withdrawal“
(COP International/Alive)
Wer Balladen mag, wird Nolongerhuman hassen. Clint Robertson dürfte das ziemlich egal sein, ist er ja sowieso eher der Anti-Typ. Massentauglichkeit? Nein, Danke. Schubladendenken? Ein noch größeres „Nein, Danke“. So packt er auch auf seinem neuen Album mit dem schönen Titel „Withdrawal“ den Industrial/EBM-Hammer aus und haut in seinem Wahn nacheinander alles kurz und klein. Doch erst einmal schickt der passionierte Raucher aus Portland ein episches Intro vorweg. Das heißt „Stop.Listen.Think.Infest“ und stimmt auf das bevorstehende Programm auf ordnungsgemäße Art und Weise ein. In Suicide Commando-Manier kommt daran anknüpfend „Apostate“ daher. Die Nummer mit dem Hammer kann nun endlich beginnen. Düster, tanzbar und technoid klingen „Raptor“, „Modern Narcissus“ und „Dead Empire“. Genau so apokalyptisch: „Sycophant“ und „The Forgotten“. „Quiet Desperation“ startet mit den unschuldigen Melodien einer Spieluhr. Klingt ein bisschen nach Horrorfilm-Klischee und wird im Fortlauf mit ein paar ganz netten Streichern untermalt. Das macht den Titel zum vergleichsweise ruhigsten Stück auf „Withdrawal“. Bevor Clint sein Werkzeug dann wieder einpackt, haut er noch mal einen raus. Der heißt „The Death Hour“ und leitet die Nulllinie perfekt ein und im Handumdrehen ist man wieder zurück in der Realität. Die ist aber nicht halb so düster wie Nolongerhumans neues Album.
Maria Madaffari

Rezension aus Sonic Seducer, Ausgabe 09/2014.