CD-Rezension / Review / Kritik

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Kadeadkas Plastique Palace CD Cover

Kadeadkas „Plastique Palace”

(Young And Cold Records)
Im Dahinfließen der Momente erstehen zuweilen Klanggebilde, deren Zeit schlicht gekommen ist, da sie gleichsam in der Luft liegen, vom Weltgeist sozusagen gefordert werden. Diese junge Band beweist es – und man mag vermuten: das Zeitalter der Kadeadkas ist angebrochen. Herrische, herrliche Achtelbässe treiben und dominieren; differenzierte Gitarrenstrukturen voll der feinst abgestimmten Effektbehandlung, kraftvolle Drums und schwebende Layer bilden den Rahmen, in dem sich Leadsängerin Katys Stimme magisch und dreckig, rau und lockend entfaltet. Diese steht fraglos in der Tradition der frühen Achtziger und wirkt doch überwältigend eigenständig. Sowohl mit ihrem tiefem Timbre als auch durch die zornigeren, höher angelegten Ausbrüche packt sie den Hörer ohne Umschweife an der Gurgel – und bringt das fiebrig-neue Element der kroatischen Sprache gekonnt und elegant in die post-punkige, batcavige Welt vibrierender Dunkelheit. Auf Midtempo, Uptempo oder eher federnden Tom-Figuren basierend: die Songs dieses Minialbums berauschen den Hörer mit urwüchsiger, wühlender Energie, mit Klängen, die verzückenden Beschwörungen gleichen oder auch wütenden Aufforderungen zum Lebendigsein, zum Rebellischsein, sich zum Neuanfang aufzuraffen. Hey, ritualistischer Zauber der Zerrtonkunst! Treibend, zeitlos und irgendwie ewig jung ist die Urkraft, die diesen Stücken entspringt: dem ersten Tondokument der Kadeadkas, dem im frühen 2018 das ersehnte Full-Length-Album folgen soll.
Kym Gnuch

Rezension aus Sonic Seducer, Ausgabe 10/2017.
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Sunday the 19th.
2017 Sonic Seducer Magazin

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