CD-Rezension / Review / Kritik

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Klez.e Desintegration CD Cover

Klez.e „Desintegration“

(Staatsakt/Caroline International)
Das Wunder, das Klez.e mit diesem Album vollbringen: Es ist ihnen gelungen, ein Cure-Album im Sound der 80er aufzunehmen, ohne es so klingen zu lassen, als wäre es abgekupfert. Songs wie „Mauern“ treffen mit waviger Gitarre, dem dominant hallenden Bass und den paukenden Drums genau jenen Ton, den man damals bei The Cure fand. Und Tobias Siebert stimmt einen Ton aus klagender Melancholie und tief empfundenem Nichteinverstandensein an, ohne dabei Robert Smiths Stimme imitieren zu wollen. Er trifft also den Geist des Sounds, ohne den Ton exakt nachzuahmen. So denkt man etwa beim tiefdepressiven Liebesschmerzsong „Flamme“, er wäre gerade von Cures „Pornography“ auf dieses Album herübergewechselt, mit starken Zeilen wie „Brenn brenn du übles Feuer / So stark dass kein Regen keine Tränen dich bezwingen.“ Zudem haben Klez.e politische Botschaften, sie nehmen in „Mauern“ Stellung gegen Nationaldenken, stellen sich in „Nachtfahrt“ gegen das Militär, bringen ihre Abneigung gegen einen Beruf namens „Lobbyist“ zum Ausdruck. Ein Album, das schon jetzt zu den besten des Jahres gehört, nicht nur unter Cure-Fans.
Georg Howahl

Rezension aus Sonic Seducer, Ausgabe 02/2017.
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