CD-Rezension / Review / Kritik

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Lost In Grey The Grey Realms CD Cover

Lost In Grey „The Grey Realms“

(NoiseArt/Universal)
Sie sind etwas Besonderes. Ihre Musik ist anders; vielschichtig, atmosphärisch, in die Tiefe gehend, episch und von einer hochkarätigen, filigranen Dramaturgie gezeichnet. Lost In Grey stammen aus Nordfinnland und zelebrieren einen sphärisch-progressiven Sound, der sich nur schwer kategorisieren lässt, umfasst dieser doch gleichermaßen symphonische sowie folkige Metal-Elemente, besitzt ebenso einen wuchtigen cineastischen Charakter und weiß ferner mit klassischer Instrumentierung zu berühren. Unterteilt in drei Kapitel, vergleichbar mit einem Theaterstück, wird die Geschichte der Protagonistin Lillian erzählt, die sich auf die Suche nach einem paradiesischen Ort, The Grey Realms, begibt. Bandleader und Keyboarder Harri Koskela, Texterin und Sängerin Anne Lill sowie Emily Leone (die ebenso mit ihrem Violinenspiel begeistert) übernehmen verschiedene Rollen auf dem Album und verleihen der Platte mit ihren ausdrucksstarken Stimmen eine dynamische, außergewöhnliche Anmutung. Generell ist es vor allem die Vielseitigkeit, die Lost In Grey hier an den Tag legen, die dieses Erstlingswerk auszeichnet; sei es nun in der klanglichen Ausrichtung, der gesanglichen oder auch der thematischen. Dennoch wirkt „The Grey Realms“ zu keiner Zeit überladen oder verworren, sondern fokussiert und eingängig. Die acht Stücke leben von einer düsteren Mystik („Dark Skies“), nicht ganz greifbaren morbiden Schönheit („Waltz Of Lillian“), die wie ein melancholischer Schleier über den Kompositionen schwebt. Manchmal blitzt hier und da ein Funken Hoffnung („New Horizon“), ein kurzes Aufbegehren („Revelation“) durch, um dann wieder in bittersüßer Schwermut („Silence Falls“) und Tristesse zu versinken. Solche emotionalen Grenzgänge vermögen wohl nur die Finnen.
Jasmin Froghy

Rezension aus Sonic Seducer, Ausgabe 03/2017.
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