CD-Rezension / Review / Kritik

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lonely the brave things will matter

Lonely The Brave
„Things Will Matter“
(Hassle/Kobalt Label Services/Rough Trade)
In letzter Zeit mal was vom ollen Kumpel Grunge oder vom guten alten Alternative-Rock typisch britischer Prägung gehört? Die letzten Alben von Bush, Ash oder Nine Black Alps waren entweder nicht mehr das Wahre oder liegen schon ein Weilchen zurück – gut also, dass es Lonely The Brave aus Cambridge gibt. Nachholbedarf an ihren kernigen Rocksongs mit großer Geste und frenetischen Leadgitarren scheint es jedenfalls genug zu geben, wie zumindest in England die Top 20-Platzierung ihres Debüts „The Day’s War“ belegte. Sofort wurde die Band um Sänger David Jakes mit Pearl Jam verglichen – womit wir wieder beim Grunge wären, von dem mittlerweile jedoch nicht mehr allzu viel übrig ist. Zwar legt „Things Will Matter“ gerade im Mittelteil mit Krachern wie „Play Dead“, „Dust & Bones“ oder „Radar“ gehöriges Tempo vor und lässt die Riffs braten, dass es eine zottelige Freude ist, doch auch dank des neu hinzugekommenen Gitarristen Ross Smithwick geht der Blick zusehends über den Tellerrand. Und so eröffnet „Wait In The Car“ ausgesprochen kleinlaut, und die bewölkte Stimmung von „What If You Fall In“ pirscht sich gar vorsichtig in die verhuschten Gefilde zwischen Post-Rock und Post-Punk vor, die normalerweise die Schotten The Twilight Sad beackern. Ein durchaus bedeutsamer Longplayer also, wie der Titel bereits andeutet – nicht nur für Freunde von Grunge und Alternative-Rock.
Thomas Pilgrim

Rezension aus Sonic Seducer, Ausgabe 06/2016.